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2009 – Gebäudereinigung Unternehmer betreiben Image-Korrektur – Bessere Bezahlung als in anderen Branchen

Arztpraxis_Empfang_01Quelle: Nordwest-Zeitung 08.10.2009
VON NORBERT HARTFIL

NORDENHAM – Wenn am Stammtisch von schlechter Bezahlung und harten Arbeitsbedingungen die Rede ist, kommt schnell das Gebäudereinigerhandwerk ins Spiel. Die Unternehmer in dieser Branche stehen in dem Ruf, bei der Entlohnung ihrer Beschäftigten besonders knauserig zu sein. Gegen dieses Negativ-Image gehen die Arbeitgeber jetzt in die Offensive. Angesichts des schwelenden Tarifkonlikts, der auch in Nordenham zu Warnstreiks geführt hat, wollen die Firmeninhaber mit den Niedriglohn-Vorurteilen aufräumen. ‚Die angebotenen Löhne in der Gebäudereinigung‘, sagt Henry Felske, ‚liegen deutlich über den Löhnen vergleichbarer Branchen.‘

– 3 Prozent mehr geboten

Henry Felske, der in Atens eine Gebäudereinigungsfirma betreibt, hat gemeinsam mit seinen Kollegen Stefan Gerdes, Geschäftsführer der Felske Dienstleistungen GmbH in Nordenham, und Thomas Bäker aus Brake die Initiative ergriffen. Die drei Unternehmer weisen den Vorwurf, dass die Arbeitgeber nur noch sechs Euro Stundenlohn bezahlen wollen, mit Nachdruck zurück. Stattdessen hätten die Arbeitgeber das Angebot unterbreitet, den jetzigen Mindestlohn von 8,15 Euro um 3 Prozent auf 8,39 Prozent anzuheben. Diese Offerte wurde von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die 8,7 Prozent fordert, jedoch als unzureichend abgelehnt.

Durch die Aufkündigung des Tarifvertrages durch die IG BAU zum 30. September ist allerdings das Lohngefüge ins Wanken gekommen. Es besteht zurzeit kein vertraglicher Mindestlohn mehr. Das bedeutet, dass bei Neueinstellungen ab dem 1. Oktober jeder Lohn oberhalb der sogenannten Sittenwidrigkeitsgrenze gezahlt werden darf. Das wären 5,71 Euro. Diese Möglichkeit, auf legale Weise Billigkräfte anzuheuern, wollen die im Bundesinnungsverband zusammengeschlossenen Gebäudereinigerfirmen aber nicht in Anspruch nehmen. ‚Das wäre doch demotivierend für die Mitarbeiter‘, sagt Thomas Bäker.

– Lohnspirale nach unten

Ein großes Problem sieht Stefan Gerdes allerdings in der Tatsache, dass jetzt auch die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge aufgehoben ist und damit der Schutz durch das Entsendegesetz wegfällt. Das bedeutet, dass Firmen, die nicht dem Innungsverband angehören, Reinigungskräfte zu Billiglöhnen beschäftigen und mit Dumping-Angeboten auf den hart umkämpften Markt drängen können. Dass womöglich ‚eine Lohnspirale nach unten‘ in Gang gesetzt werden, sei die Schuld der Gewerkschaft.

Thomas Bäker befürchtet eine Abwanderung von Kunden, die sich von Billiganbietern ohne Tarifbindung locken lassen. Er ruft die IG BAU dazu auf, schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

– Schwarze Schafe

Die Forderung der Gewerkschafter nach 8,7 Prozent mehr Lohn halten Henry Felske, Thomas Bäker und Stefan Gerdes, die zusammen etwa 410 Mitarbeiter beschäftigen, für überzogen. Die damit verbundenen Mehrkosten für das Personal könnten die Arbeitgeber nur durch höhere Preise ausgleichen. Doch das sei nicht möglich: ‚Das Geld ist einfach nicht da‘, sagt Stefan Gerdes. Als Einzige würden die ’schwarzen Schafe‘ der Branche, die Lücken im Gesetz ausnutzen und keine Tariflöhne zahlen, von dieser Situation profitieren.

Mit der angebotenen Anhebung des Mindestlohns auf 8,39 Euro stehen die Gebäudereiniger aus Sicht der Arbeitgeber gegenüber anderen Berufssparten gut da. Als Beispiele für niedrigere Grundlöhne führen sie den Gartenbau (5,86 Euro), die Gastronomie (6,30 Euro), die Bewachung (5,25 Euro) und das Friseurhandwerk (4,65 Euro) an. Auch der vom Deutschen Gewerkschaftsbund geforderte gesetzliche Mindestlohn von 7,50 Euro liege unter der Marke der Gebäuderreinigerinnung.

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